Romantasy
Cover: Dornenkuss

Dornenkuss

Der Abschluss der Reihe. Der Pylon der Stille droht, beide Ufer in einem sterilen Nullpunkt zu verschmelzen. Um die Welt zu retten, müsste Serenne ihre Erinnerungen opfern — und damit die Liebe zu einem Fragment, das nur durch sie existiert.

Band 4 von 4 · 30 Kapitel · deutschsprachig

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Dornenkuss

Romantasy

Im letzten Band wechselt die Reihe ihr Bild: Die Wirklichkeit ist ein Gewebe, und man kann darin schneiden. Ein chirurgischer Schnitt soll die beiden Ufer trennen, bevor sie zu einem einzigen sterilen Nullpunkt verschmelzen. Wer das für eine gute Idee hält, hat den Preis noch nicht gelesen.

Erinnerungen hängen jetzt sichtbar heraus. Serenne greift die Fäden, die aus einem Kopf hängen, und versucht, sie neu zu weben — bis sie ihre eigenen sieht, losgelöst von ihrem Bewusstsein. Und Herrschaft bedeutet hier nicht Zerstörung, sondern einen schwachen Faden zu lösen, um das Gewebe zu straffen.

Nähe ist in diesem Band messbar geworden: Zwei Frequenzen, die sich aneinander anpassen, sind kein Gefühl, sondern ein Vorgang — und einer, der auffällt. Am Ende steht keine Schlacht, sondern eine Entscheidung über Zuständigkeit. Sie ist unbequemer.

30
Kapitel
87.563
Wörter
5:50 h
Lesezeit ∅
  • eBook1,99 €Erscheint am 14.09.2026 · deutsche Originalausgabe
Das Buch

Leseprobe

Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.

Der Geruch in der tiefsten Archivkammer war ein paradoxer Mix aus Ozon und altem Papier. Eine architektonische Unmöglichkeit, die Serenne Valois seit ihrer Kindheit vertraut war, obwohl der Ort vor ihrer Geburt erst errichtet wurde. Diese sterile Grauzentrale machte den Ort unerträglich, während sie vor dem Regal stand, in dem die letzten Gedächtniskristalle der Randbezirke lagerten. Ihre kalten, zitternden Finger griffen nach dem ersten Kristall, der im künstlichen Leuchtstofflicht funkelte wie ein kleiner Wurfstein aus festgehaltener Zeit.

Mit einem scharfen Klick versiegelte sie ihn in die Halterung, ein einzelner Ton in der drückenden Stille, die hier nicht als Abwesenheit von Klang existierte, sondern als physische Masse gegen ihre Trommelfelle schob. Sie atmete ein und zählte bis vier, dann aus, zählte wieder bis vier. Diese Disziplin war das Einzige, was ihr noch blieb, während alle anderen Variablen – Emotionen, Erinnerungen an Dorian, das Gefühl für die Welt – aus der Gleichung gestrichen wurden, um das System stabil zu halten.

Der Pylon der Stille, jenes kolossale Konstrukt, das das Fundament der Grauzentrale bildete, begann zu vibrieren, zunächst als kaum wahrnehmbares Kribbeln in ihren Zähnen, dann als Summen in den Knochen, das wie ein Faden im Brustkorb zog und sich langsam zischend entwirrte. Serenne hielt inne, die Hand halb erhoben vor dem nächsten Kristall, zögerte sie zwischen Berührung und der Gefahr einer Resonanz. Über ihr flackerte die Leuchtstoffröhre, einmal, dann zweimal, bevor das Licht bläulich und kalt wurde und für eine Sekunde ihre blass erscheinende Reflexion mit tiefen Augenringen in der polierten Oberfläche des Regals zeigte, das Gesicht einer Frau, die gerade einen Riss in der Schutzmauer entdeckt hatte.

Ein Warnsignal ertönte, keine hörbare Frequenz, sondern eine unterhalb der Schwelle, die trotzdem in der Luft zerrte, während die kristallinen Halterungen ein rötliches, pulsierendes Licht aussendeten, das wie ein Herzschlag durch die Kammer lief. Tuk-tuk. Tuk-tuk. Serenne schloss die Augen, denn das Protokoll verlangte, die restlichen Kristalle zu versiegeln. Ein Befehl der Wächterin, alle geistigen Datenfragmente der Randbezirke vor dem finalen Zusammenfall zu löschen. Ein chirurgischer Schnitt in das Gewebe der Realität, um die beiden Ufer zu trennen, bevor sie zu einem einzigen sterilen Nullpunkt verschmolzen.

Hier bricht die Leseprobe ab.