Romantasy
Cover: Der zerbrochene Traumgarten

Der zerbrochene Traumgarten

In Thornwick ist Stille Gesetz. Als Serenne eine verbotene Vision des zerbrochenen Traumgartens sieht, bricht nicht nur das Protokoll — es bricht die Ordnung, die die Stadt zusammenhält. Und was durch den Riss hereinsickert, hat sie nicht bestellt.

Band 2 von 4 · 30 Kapitel · deutschsprachig

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Band 2 von 4 · erhältlich

Der zerbrochene Traumgarten

Romantasy

Die Stille in Thornwick ist nicht das Fehlen von Geräuschen. Sie ist eine Substanz, die auf die Ohren drückt — ein tiefes, dröhnendes Summen aus den Wänden, als würde das Gebäude selbst atmen. Wer das durchbricht, macht Lärm in einem Sinn, den niemand hören kann.

Mitten im Bestehenden erscheint der Traumgarten: Tische werden zu Wurzeln, die aus dem Boden schießen, und dazwischen steht ein Ort voller Leben und Chaos, der gegen alles verstößt, was Thornwick für Ordnung hält. Er kommt zu Serenne, nicht sie zu ihm.

Was sie tut, ist im Protokoll ein Verstoß und in der Welt ein Riss. Durch ihn sickert etwas herein, das sie mit einer Wucht erfasst, die sie fast umwirft. Und das Summen, das sie fortan hört, kommt nicht mehr nur aus den Wänden — es kommt aus ihrem eigenen Kopf, wie Metall, das unter zu viel Gewicht bricht.

30
Kapitel
89.951
Wörter
6:00 h
Lesezeit ∅
  • eBook1,99 €Seit dem 10.09.2026 erhältlich · deutsche Originalausgabe
Das Buch

Leseprobe

Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.

Der Schmerz brach nicht von außen auf, sondern entlud sich mit der Wucht eines metallischen Schreis, der Serenne Valois die Knie unter dem Körper wegknicken ließ. Sie spürte, wie die Realität um sie herum zitterte, ein feines, nervöses Beben, das durch den polierten Obsidiantisch lief, an dem sie sich festklammerte. In ihren Händen lag kein Glas mehr, sondern ein rotes Fragment, spitz und unregelmäßig, als hätte jemand eine Flasche zerschlagen. Es pulsierte mit einem schwachen, rhythmischen Leuchten, das synchron mit dem Takt ihres eigenen Herzschlags schien.

Serenne starrte auf das Ding, das sich unter ihren Fingern befand, die eigentlich gewohnt waren, die glatten Kugeln der Standardampullen zu greifen. Die Logik diktierte ihr, es zu ignorieren, das Protokoll verlangte einen Bericht, doch etwas anderes, etwas Altes und Dunkles, das sie immer tiefer in ihren Brustkorb drückte, zerrte an ihren Nervenenden.

Sie griff es.

Der Schmerz war sofort da, kein Stich, keine Glut, sondern ein Reißen, als würde jemand die Fäden eines Gewebes ziehen, bis der Stoff zerriss. Serenne stieß einen Laut aus, der sich in ihrer Kehle verfing, bevor sie ihn ersticken konnte. Ihre Hände zitterten, aber sie ließ das Glas nicht los, konnte es nicht, denn die rote Substanz sickerte nicht in ihre Haut, sondern in ihr Bewusstsein.

Für einen Herzschlag war sie nicht mehr in dem Archiv der Vergessenen.

Um sie herum ragten graue Wände empor, die kein Schatten warfen, weil das Licht hier keine Quelle hatte und stattdessen gleichmäßig die Flächen durchdrang. Um sie herum erstreckte sich die endlose Bibliothek der Stille, ein Labyrinth aus Regalen, die Tausende kleine Glasampullen enthielten, in denen die Erinnerungen der Bürger von Thornwick schwebten, sobald diese nicht mehr benötigt oder als zu gefährlich eingestuft wurden. Serenne hatte diese Arbeit jahrelang verrichtet und die silbernen Kristalle, die an regnerische Vormittage erinnerten, sowie die blassen violetten, die an Lieder im Schlaf erinnerten, sortiert. Harmlose Erinnerungen, nutzlose Erinnerungen, die sie wie tote Insekten in Gläsern eingesperrt hatte, ihre Flügel abgerissen, ihre Leichtigkeit gestohlen.

Doch das rote Fragment war anders.

Es war keine Erinnerung an etwas, das gewesen war, sondern an etwas, das noch nicht existierte, oder an etwas, das nie hätte existieren dürfen.

Hier bricht die Leseprobe ab.

In dieser Reihe

Zwei Ufer

  1. Die WachendeHier beginnen
  2. Der zerbrochene Traumgarten
  3. Die Stille dazwischen
  4. Dornenkuss