
Geheimnisglas
Elowen catches secrets in glass. Theron Vey wants to buy them. When the fog breaks begin to tear, she has to choose: the truth, or silence. A romantasy about love, power and the price of freedom.
Standalone · 30 chapters · German
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On the remote North Sea island of Waldenort, Elowen Sporn catches not memories but secrets — held in hand-blown glass that only the one who breaks it can read. When the cold industrialist Theron Vey comes to the island to buy up the last true glassmakers and destroy them, Elowen is drawn into a conflict that reaches far beyond the fog. Between the heat of the melting furnaces and the coldness of Theron Vey's ambition, a passion ignites that is more dangerous than any flame. But the fog breaks that shield the island are beginning to tear, and Elowen has to decide: give up the truth and destroy her world, or stay silent and lose everything.
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Das Glas brach, bevor es überhaupt eine Form hatte.
Elowen Sporn spürte den Riss nicht als Geräusch, sondern als einen kalten Stich in der Handfläche, der sich durch die dicke Lederschnur der Partien bohrte. In der Salzwerkstatt von Waldenort war Hitze keine Temperatur, sondern eine Substanz, die man atmen musste, um zu überleben. Sie stand vor dem Glutofen, dessen inneres Leuchten die Wände in ein gedämpftes, oranges Spektrum tauchte. In ihrer linken Hand hielt sie das flüssige Glas, eine glänzende, zähe Perle, die noch nicht die Form eines Gefäßes, sondern nur die Möglichkeit einer Form war.
Ihr Atem ging tief und kontrolliert. Jedes Einatmen war ein hohes Risiko, jedes Ausatmen eine präzise Anweisung an die Schmelze, sich zu strecken, zu drehen, zu verdünnen. Sie dachte an die Worte, die sie eben noch in die Luft geblasen hatte – die Gedanken der Frau vom Leuchtturmwärter, die ihre Ehe verloren hatte, nicht durch einen Streit, sondern durch schleichendes Erkalten. Dieses emotionale Gewicht hing noch in Elowens Brustkorb, schwer und spröde, als hätte sie es mit der Schmelze verschluckt. Sie musste es loswerden, bevor es den Riss in ihrem eigenen Inneren begünstigte, den sie seit Wochen spürte. Eine feine Lineatur unter der Oberfläche, die nur darauf wartete, dass ein falscher Zug die Struktur brach.
Außerhalb der Werkstatt, jenseits des dicken, salzigen Nebels, der über die Kliffkante kroch, brach die See in stummen, grauen Wellen gegen den Felsen. Die Fähre blieb aus. Sie blieb seit drei Tagen aus, und diese Isolation hatte sich auf die Insel wie eine schwere, ungesicherte Decke gelegt. Elowen kannte diesen Zustand gut. Wenn die Verbindung zum Festland abfiel, verdichtete sich die Luft auf Waldenort, und jeder Mensch wurde zu einem Geschöpf aus dünnerem Material, anfälliger für Brüche.
Sie drehte die Partien erneut. Das Glas antwortete mit einem leisen, kristallinen Knacken. Es war nicht der Ton eines Fehls, sondern der einer Abwehr. Das Glas wehrte sich gegen die Form, die sie ihm aufzwingen wollte. Sie atmete aus, weicher diesmal, und presste das Ende des Stabes mit einem sanften, aber unerbittlichen Druck in die Masse. Die Hitze biss in ihre Haut, eine schmerzhafte, aber notwendige Korrektur. Sie ließ die Hitze zu, ließ sie in ihre Finger eindringen, denn Kälte machte nur spröde, und sie war nicht bereit, heute spröde zu sein.
Doch dann sah sie es.
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