Romantasy
Cover: Geheimnisglas

Geheimnisglas

Elowen fängt Geheimnisse in Glas ein. Theron Vey will sie kaufen. Als die Nebelbrüche reißen, muss sie wählen: Wahrheit oder Schweigen. Eine Romantasy über Liebe, Macht und den Preis der Freiheit.

Einzelband · 30 Kapitel · deutschsprachig

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Geheimnisglas

Romantasy

Auf der abgelegenen Nordseeinsel Waldenort fängt Elowen Sporn keine Erinnerungen, sondern Geheimnisse ein – gefangen in handgeblasenem Glas, das nur derjenige lesen kann, der es bricht. Als der kalte Industrielle Theron Vey auf die Insel kommt, um die letzten echten Glasmacher zu kaufen und zu vernichten, gerät Elowen in einen Konflikt, der weit über den Nebel hinausreicht. Zwischen der Hitze der Schmelzöfen und der Kälte von Theron Vays Ambitionen entfacht eine Leidenschaft, die gefährlicher ist als jede Flamme. Doch die Nebelbrüche, die die Insel schützen, beginnen zu reißen, und Elowen muss entscheiden: Die Wahrheit preisgeben und ihre Welt zerstören, oder schweigen und alles verlieren.

30
Kapitel
131.549
Wörter
8:46 h
Lesezeit ∅
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Das Buch

Leseprobe

Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.

Das Glas brach, bevor es überhaupt eine Form hatte.

Elowen Sporn spürte den Riss nicht als Geräusch, sondern als einen kalten Stich in der Handfläche, der sich durch die dicke Lederschnur der Partien bohrte. In der Salzwerkstatt von Waldenort war Hitze keine Temperatur, sondern eine Substanz, die man atmen musste, um zu überleben. Sie stand vor dem Glutofen, dessen inneres Leuchten die Wände in ein gedämpftes, oranges Spektrum tauchte. In ihrer linken Hand hielt sie das flüssige Glas, eine glänzende, zähe Perle, die noch nicht die Form eines Gefäßes, sondern nur die Möglichkeit einer Form war.

Ihr Atem ging tief und kontrolliert. Jedes Einatmen war ein hohes Risiko, jedes Ausatmen eine präzise Anweisung an die Schmelze, sich zu strecken, zu drehen, zu verdünnen. Sie dachte an die Worte, die sie eben noch in die Luft geblasen hatte – die Gedanken der Frau vom Leuchtturmwärter, die ihre Ehe verloren hatte, nicht durch einen Streit, sondern durch schleichendes Erkalten. Dieses emotionale Gewicht hing noch in Elowens Brustkorb, schwer und spröde, als hätte sie es mit der Schmelze verschluckt. Sie musste es loswerden, bevor es den Riss in ihrem eigenen Inneren begünstigte, den sie seit Wochen spürte. Eine feine Lineatur unter der Oberfläche, die nur darauf wartete, dass ein falscher Zug die Struktur brach.

Außerhalb der Werkstatt, jenseits des dicken, salzigen Nebels, der über die Kliffkante kroch, brach die See in stummen, grauen Wellen gegen den Felsen. Die Fähre blieb aus. Sie blieb seit drei Tagen aus, und diese Isolation hatte sich auf die Insel wie eine schwere, ungesicherte Decke gelegt. Elowen kannte diesen Zustand gut. Wenn die Verbindung zum Festland abfiel, verdichtete sich die Luft auf Waldenort, und jeder Mensch wurde zu einem Geschöpf aus dünnerem Material, anfälliger für Brüche.

Sie drehte die Partien erneut. Das Glas antwortete mit einem leisen, kristallinen Knacken. Es war nicht der Ton eines Fehls, sondern der einer Abwehr. Das Glas wehrte sich gegen die Form, die sie ihm aufzwingen wollte. Sie atmete aus, weicher diesmal, und presste das Ende des Stabes mit einem sanften, aber unerbittlichen Druck in die Masse. Die Hitze biss in ihre Haut, eine schmerzhafte, aber notwendige Korrektur. Sie ließ die Hitze zu, ließ sie in ihre Finger eindringen, denn Kälte machte nur spröde, und sie war nicht bereit, heute spröde zu sein.

Doch dann sah sie es.

Hier bricht die Leseprobe ab.