Dark Fantasy / Romantasy
Cover: Die Fugenfrau

Die Fugenfrau

Ysandre is the last of the joint-women, the one holding a breaking world together. But her rescue lies in the hands of Emeric, a man of the cold elite who sees her magic as nothing but a tool. Between love and betrayal she has to decide whether their bond saves her or destroys her for good. A dark romantasy about structure, entropy and the price of perfection.

Standalone · 35 chapters · German

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Die Fugenfrau

Dark fantasy / romantasy · German original edition

In a world of floating stone complexes held together only by the golden mortar of the joint-women, Ysandre Bramwell is the last of her kind. When the blasting begins and the cracks tear through the metropolis of Kavrada, she has to enter an alliance with Emeric Vael, a man from the cold elite of the Smooth who means to turn her magic into a weapon. Yet while she repairs the joints to keep the world from falling apart, her own soul breaks against the coldness of his touch. Between the grinding of dying stone and the whisper of entropy, Ysandre has to decide: is the bond she feels towards Emeric the last mortar holding her together, or the crack that will finally blow her apart? A dark, atmospheric romantasy about love as structure and betrayal as entropy.

35
Chapters
131,962
Words
8:48 h
Reading time
  • eBookGerman original edition · release date not yet set

German only. There is no English edition of this one yet.

The book

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How the book begins — no sign-up, no detour.

Der Riss schrie nicht. Er knirschte. Ein tiefes, tektonisches Reißen, das Ysandre in den Knochen spürte, als wäre ihr eigenes Skelett Teil des Gesteins, das jetzt unter der Last brach. Sie presste die Finger in die Öffnung, den Daumen gegen die raue Kante des Schiefers, während sie den goldenen Mörtel aus ihrem Inneren zog. Die Substanz war warm, beinahe zu heiß, und roch nach altem Kalk und frischer Angst. Es war kein Zauber. Es war eine Operation. Sie griff in die Wunde der Welt, entnahm Material aus ihrem eigenen Blut, aus der Energie ihrer Lungen, und presste es in die Lücke, wo der Himmel drohte, durch den Stein zu fallen.

Ihre Hände zitterten. Nicht vor Kälte. Vor der Schwerkraft.

„Traglast gibt nach“, murmelte sie. Keine Bitte. Eine Feststellung. Sie sah, wie der goldene Faden, den sie spinnt, dünner wurde, als würde jemand an ihm ziehen. Der Stein um sie herum atmete. Ein langsames, anstrengendes Heben und Senken, das die Luft in den Lungen drückte. Staub regnete vom Gewölbe, feine Kalkpartikel, die sich auf ihre Haut setzten wie Asche. Der Geruch war trocken, aufdringlich, und er wischte jeden anderen Gedanken aus ihrem Kopf, bis nur noch das Knirschen und der Schmerz in ihren Schultern blieben.

Eine Ebene tiefer, auf dem Gerüst der Kavrada, hörte sie das Schreien. Kein Schrei des Todes, sondern der Überraschung. Jemand war von einem Balken gefallen. Oder besser: Jemand hatte den Halt verloren. Die Schwerkraft war hier nie eine Konstante gewesen. Sie war eine Laune der Steine. Wenn die Fugen schwächelten, veränderte sich die Masse. Was oben lag, zog unten nach.

Ysandre riss ihre Hände vom Riss zurück. Der goldene Mörtel blutete am Rande, ein feiner, leuchtender Faden, der in der Luft schwebte und sofort verdampfte. Ihre Finger waren fleckig, verkrustet mit dem goldenen Puder, das sich in die Poren gebohrt hatte. Sie starrte auf ihre Hände. Sie zitterten noch. Die Stabilität in ihrem Brustkorb war weg. Sie fühlte sich hohl an, als hätte man die Knochenmarkkanäle ihrer Rippen ausgehöhlt und sie mit nichts gefüllt.

Sie musste hinunter.

Die Leiter war aus rostigem Eisen, das in die Steinwand gebohrt war. Ysandre klemmte den Fuß in eine Sprosse und ließ sich hinab, ihre Beine spannten sich an, die Muskeln schrien, als der Stein unter ihren Füßen knirschte. Die Luft wurde dicker, schwerer. Sie roch nach Metall und Schweiß. Als sie das Gerüst erreichte, sah sie Thessa Vark.

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