
Nachtbrennerei
Eine junge Brennerin destilliert illegale Magie in den Kellern von Kreuzberg — und jeder Tropfen kostet sie ein Stück Seele. Als der kalte Ascheherrscher sie für ein Experiment fängt, wird aus seiner Kälte ein Verlangen, das brennt.
Einzelband · 28 Kapitel · deutschsprachig
Bei Amazon ansehenNachtbrennerei
In den stinkenden Glutkellern unter Kreuzberg destilliert eine junge Brennerin, was andere verbrennen — illegale Magie, Tropfen für Tropfen, in billigen Schnapsflaschen, die nach Wermut und brennender Seele riechen. Jede Charge tilgt einen Teil der Schulden ihrer toten Schwester. Jede Charge kostet sie ein Stück ihrer selbst.
Denn in dieser Stadt, in der Glätte das höchste Gesetz ist, ist Rohheit ein Verbrechen. Ihre Magie brennt ungestüm, ungeglättet, gefährlich — genau das, wofür das sterile Asche-Archiv sie sucht. Als der Ascheherrscher eines Nachts in ihrem Keller steht, klingt sein Angebot wie eine Kette. Er will nicht ihre Magie. Er will sie.
Als das Archiv ihre wahre Gabe offenlegt und er selbst in dessen Hände fällt, steht sie vor der letzten Charge: ihrer eigenen Seele. Brennen oder erlöschen — in dieser Stadt gibt es kein Dazwischen.
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Leseprobe
Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.
Der Deckel sprang ab, bevor Ottilie den letzten Riegel löste, und ein Schwall dampfender, silberner Flüssigkeit schlug ihr ins Gesicht; heiß wie flüssiges Blei roch es nach verbranntem Zucker und Ozon. Während die Substanz über ihre Wangen lief und in den Kragen ihres Hemdes sickerte, riss sie die Augen zusammen und schmeckte den metallischen Nachgeschmack auf der Zunge. Kein Schrei, kein Fluchen. Nur das kalte, mechanische Zählen der Sekunden, die ihr verblieben, bis das Glas unter dem Druck zerbrach.
Zwei. Eins.
Ihre Finger zitterten so heftig, dass sie das Becherglas kaum festhalten konnte, als sie danach griff. Das Vibrieren kam nicht von der Angst, sondern von der Überhitzung: Ihr System war am Limit, die Kühlflüssigkeit in ihren Adern zu dünn, der Druck im Kopf ein ohrenbetäubendes Heulen. In Kreuzberg, in diesem schmutzigen Winkel unter der Erde, war Chaos das einzige Kapital, das sie besaß, und es war knapp.
Sie ließ das Becherglas fallen.
Das Glas zersplitterte auf dem Betonboden, die silberne Flüssigkeit breitete sich aus und zischte leise, als sie auf den kalten Stein traf. Ottilie atmete aus; die Luft brannte in ihrer Lunge, ein scharfer, metallischer Stich. Sie wischte den Schweiß von der Stirn, versuchte, die Hände ruhig zu halten, was ihr nicht gelang. Die Finger vibrierten weiter, ein feines, unkontrolliertes Zittern, das von den inneren Ventilen ihres Körpers kam. Sie hatte zu viel getrunken, zu viel Rohmaterial; wenn sie jetzt nicht aufhörte, würde der Druck sie zerreißen.
Ein Klopfen an der schweren Eisentür, die als Eingang diente. Drei Schläge. Eine Pause. Zwei Schläge. Der Code.
Ottilie erstarrte. Sie drehte sich um, ihre Augen suchten prüfend den Raum ab, ob die letzten Tropfen der Destillation noch sichtbar waren. Sie musste schnell sein. Sie musste sauber sein.
Sie ging zur Tür. Jeder Schritt war schwer, als würde sie durch eine sirupartige Dichte laufen, die sie selbst umspülte. Sie drehte den Riegel um; das Metall kratzte, ein raues, widerwilliges Geräusch, das sich in die Knochen bohrte.
Ingram stand dort. Er trug einen Mantel aus grauem Stoff, der aussah, als hätte er ihn in einer Fabrikreste-Verkaufsschau erstanden. Sein Lächeln war dünn, geschnitten, eine Fassade über dem leeren Hohlraum seiner Absicht. Er roch nach billigem Parfüm und Kälte. Eine Kälte, die nichts mit Wärme oder Kälte im physikalischen Sinne zu tun hatte, sondern mit der Abwesenheit von allem Lebendigen.
„Ottilie.“ Er sprach flach, ohne jeden Tonfall. „Pünktlichkeit. Eine Tugend, die du offenbar nicht besitzt. Oder ist sie dir zu teuer im Unterhalt?“
Hier bricht die Leseprobe ab.
Was rund um dieses Buch geschrieben wurde.
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