
Die B-Seite von dir
Aveline restauriert Schallplatten in einer Stadt, wo digitale Signale die analoge Magie zerstören. Als sie eine Platte findet, die sie persönlich anspricht, muss sie mit dem geheimnisvollen Archivar Caspian zusammenarbeiten. Doch die „Schweigende Zone“ ist kein Schutz, sondern ein Gefängnis. Bevor die Resonanz für immer verstummt, müssen sie die Wahrheit über ihre Verbindung und die Natur der Magie aufdecken.
Einzelband · 30 Kapitel · deutschsprachig
Die B-Seite von dir
In der verregneten Kleinstadt St. Valentin am Wald existiert eine Magie, die nur in Vinyl und Papier lebt, während die digitale Welt tot ist. Als Aveline Ferro, eine talentierte, aber isolierte Plattenrestauratorin, eine beschädigte Schallplatte mit einer unmöglichen, lebendigen Stimme findet, bricht die stille Ordnung der „Schweigenden Zone“ zusammen. Ihr Partner im Archiv, der charismatische, aber verbitterte Archivar Caspian Alder, verbirgt ein Geheimnis über die Herkunft der Töne, das tiefer geht als jede Restaurierung. Als die digitale Überwachung die analoge Magie bedroht und die Stille zu schreien beginnt, müssen Aveline und Caspian die verborgene B-Seite ihrer eigenen Seelen und der Welt aufdecken, bevor die Resonanz für immer verstummt.
- eBookDeutsche Originalausgabe · Erscheinungstermin steht noch nicht fest
Leseprobe
Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.
Die Restaurierungskammer roch nach trockenem Staub und altem Lack. Die Dichte erschwerte die Atmung, reduzierte die Sinne auf das Wesentliche. Aveline Ferro hielt die Jazz-Platte zwischen Daumen und Zeigefinger. Ihr Blick war auf die mikroskopische Rille fokussiert, in der sich ein feiner, grauer Belag festgesetzt hatte, wie Moos auf altem Stein. Die Nadel des Tonarms hing über dem Vinyl, bereit für den Kontakt, doch sie wartete. Ihre Finger, schmal und von einer Präzision, die oft als Kälte fehlgedeutet wurde, bewegten sich kaum merklich. Sie polierte die Oberfläche nicht, sie analysierte sie. Jeder Kratzer, jedes Staubpartikel war eine Variable in einer Gleichung, die nur sie löste.
Der Luftzug in der Kammer war minimal, erzeugt von den dicken Fenstern, die auf die regnerische Fassade des Archivs blickten. Draußen fiel der Regen gegen das Glas, ein rhythmisches Klappern, das den Raum mit einem flachen Rauschen füllte. Es war das Geräusch der Welt, die außerhalb dieser Mauer existierte, digital tot und stumm. Hier, im Inneren, war die Zeit anders. Sie drehte sich in Umdrehungen pro Minute, messbar, tangibel, gebunden an die physikalische Realität des Vinyls.
Caspian Alder stand am Rand des Tisches. Er beobachtete ihre Hand. Seine Gestalt war eine Architektur aus scharfen Kanten und weichen Schatten, seine Jacke aus dunklem Stoff, die die Umrisse seines Körpers verschluckte. Er sprach nicht, aber seine Präsenz drückte auf die Luft, wie ein Lastträger, der das Gewicht des Daches in sich nahm. Aveline spürte den Druck seiner Aufmerksamkeit, es war ein statisches Rauschen, das sich auf ihrer Haut sammelte.
„Zu grob“, sagte er. Seine Stimme war tief, ein Bass, der die Bassreflexe in der Wand anregte. „Du schiebst die Rille.“
Aveline hielt inne. Ihre Finger verharrten auf der Platte. Sie blickte nicht zu ihm. Stattdessen konzentrierte sie sich auf das Gewicht des Objekts unter ihren Händen. Das Vinyl war kühl und matt; es verlangte Geduld.
„Ich restauriere“, antwortete sie. Ihr Tonfall war flach, ohne jegliche Modulation. „Ich entferne den Belag. Das ist die Technik.“
„Theoretisch ist die Technik eine Frage der Intensität. Man müsste die Oberfläche schonen, nicht sie ankratzen.“ Caspian trat einen Schritt näher. Der Boden knarrte unter seinen Schuhen, ein trockenes Geräusch, das im stillen Raum laut war. „Wenn du so weitermachst, verlierst du die Nuancen der Aufzeichnung.“
„Nuancen sind subjektiv“, sagte Aveline. „Die Rille ist objektiv. Der Belag ist ein Fehler. Ich korrigiere.“
Hier bricht die Leseprobe ab.