
Was Tinte nicht vergibt
Berlin wird zur lebenden Fiktion, als ein verbotener Roman ausbricht. Nera Vaughn, eine Lektorin mit der Gabe der Stille, und Lucian Quinn, ein gefürchteter Radierer, müssen den Gruftautor finden, bevor die Stadt endgültig in eine Geschichte verwandelt wird. Doch Lucian lügt, und die Tinte vergibt nichts – nicht einmal die Liebe. Eine dunkle Romantasy über Worte, Macht und den Preis der Wahrheit.
Einzelband · 35 Kapitel · deutschsprachig
Was Tinte nicht vergibt
Berlin ist eine Stadt, in der Worte töten können. Nera Vaughn, eine scharfzüngige Lektorin mit der unnatürlichen Gabe, die „Stille“ zwischen den Zeilen zu spüren, wird in die Unterwelt der Tintenbestien gerissen, als ein verbotener Roman aus der Quarantäne ausbricht. Ihr einziger Schutz ist Lucian Quinn, ein gefürchteter „Radierer“, der Worte aus der Realität tilgt, um das Gleichgewicht zu wahren, und der eine dunkle Abhängigkeit von der Sprache hat. Zusammen müssen sie den Gruftautor finden, bevor dessen neue Geschichte die Stadt in eine endlose Fiktion verwandelt. Doch je tiefer sie in die Instabile Zone vordringen, desto deutlicher wird: Lucian lügt, und die Tinte vergibt nichts – nicht einmal die Liebe, die er ihr verspricht.
In einer Welt, in der Realität und Fiktion verschmelzen, muss Nera entscheiden, ob sie ihre Gabe opfert, um Lucian zu retten, oder ob sie ihre Stille nutzt, um die Welt zu zerstören. Die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge verschwimmen, und jede Entscheidung hat einen Preis. Als die Fiktionale Zone expandiert und Berlin zu einer lebenden Geschichte wird, in der Nera die Hauptfigur ist, aber keine Kontrolle hat, steht alles auf dem Spiel. Lucians wahre Natur als „Radierer“ und seine dunkle Abhängigkeit von der Sprache stellen Neras Vertrauen auf die Probe. Sie müssen den Gruftautor finden, bevor die Stadt endgültig in eine Fiktion verwandelt wird. Doch die Tinte vergibt nichts, und die Wahrheit ist oft schmerzhafter als die Lüge. In einer Welt, in der Worte Macht haben, muss Nera lernen, dass Stille nicht das Fehlen von Tinte ist, sondern ihre Ruhe. Und dass Liebe manchmal der gefährlichste Zauber ist.
- eBookDeutsche Originalausgabe · Erscheinungstermin steht noch nicht fest
Leseprobe
Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.
Die Vantour-Werkstatt lag in einem Geruch aus altem Papier und der chemischen Kälte fixierten Tintenharzes. Es war ein Geruch, der sich nicht verflüchtigte, sondern sich in der Schleimhaut der Nase absetzte wie ein ungelöster Satz. Nera Vaughn stand inmitten des Quarantänebereichs, dem Herzstück der Werkstatt, und spürte die Vibration unter ihren Sohlen. Sie war nicht laut. Sie war nicht einmal fühlbar, wenn man mit geschlossenen Augen stand und versuchte, den Lärm der Welt auszublenden. Doch Nera blendete nichts aus. Sie hörte die Stille, die zwischen den Geräuschen lag, und genau dort, in diesem toten Raum, pulsierte der Rhythmus der Gefahr.
Die Bleikisten vor ihr waren hochkant gestapelt, ihre metallischen Oberflächen mit einer dünnen Schicht Staub überzogen, die bei jeder winzigen Erschütterung zu tanzen schien. Innerhalb dieser Kisten lagen die Bücher, die zu gefährlich waren, um gelesen zu werden, zu instabil, um in einer Bibliothek aufgeschlagen zu werden, zu laut in ihrer eigenen Existenz, um einfach zu existieren. Neras Finger lagen auf dem kühlen Metallrand der vordersten Kiste. Sie spürte, wie sich die Tinte darin versuchte, die Schwerkraft zu ignorieren. Es war kein Fließen. Es war ein Drücken. Ein viskoses, zähes Drücken gegen die Grenzen der Realität.
Die Vibration wurde stärker. Die Hitze begann in Neras Fußsohlen, kletterte die Schienbeine hoch und legte sich im Brustkorb ab, wie ein fremdes Organ, das sich weigerte, stillzuhalten. In der Luft über dem Betonboden zeichneten sich erste Muster ab. Schwarze Linien, dünner als Haar, aber deutlich schärfer als ein Messer. Sie zogen sich von den Rändern der Bleikisten über den Boden, krochen unter den Stühlen hindurch und bildeten ein geometrisches Muster, das keine Architektur kennt. Es war kein Zufall. Es war ein Satz, der sich selbst auflöste, bevor er zu Ende gesprochen werden konnte.
Nera zog die Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. Ihr Puls hämmerte in ihren Schläfen, ein rhythmisches Trommeln, das den Raum um sie herum in kleine, vibrierende Fragmente zerlegte. Sie atmete ein. Die Luft war schwer, gesättigt mit Ozon und dem metallischen Beigeschmack von aufgeweichtem Eisen. Sie atmete aus. Die Stille, die sie ausstrahlte, war kein passives Schweigen. Sie war ein Werkzeug, ein Skalpell aus Nichts, das sie benutzte, um die Wirklichkeit zu schneiden, wenn sie zu viel wurde. Aber heute, in dieser Werkstatt, die nach Geschichte und Moder roch, fühlte sich die Stille dünn an. Verwundbar. Als könnte ein starker Wind sie zerreißen.
Aus den Schatten der hinteren Wand trat er.
Lucian Quinn.
Hier bricht die Leseprobe ab.