Romantasy
Cover: Was die Flut zurücklässt

Was die Flut zurücklässt

Das Meer bewahrt die Erinnerungen der Toten – aber wer kontrolliert, was bleibt? Sylvarin, eine Tiefenleserin, bricht das Gesetz der Zensur, um die Wahrheit über die Große Erosion zu finden. Ihr Weg kreuzt sich mit Drystan, dem Wächter, der sie vernichten soll. Zwischen biolumineszenten Tiefen und rostigen Docks entbrennt eine gefährliche Liebe. Doch als die Salzpest ausbricht, müssen sie entscheiden: Wahrheit oder Überleben? Eine düstere Romantasy über Erinnerung, Verrat und die Macht der Lüge.

Einzelband · 30 Kapitel · deutschsprachig

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Was die Flut zurücklässt

Romantasy

In der Inselkette Vhalor ist das Meer mehr als nur Wasser – es ist ein Archiv. Es bewahrt die letzten Erinnerungen der Toten, bis sie von den Tiefenleserinnen extrahiert und der Kaste der Blau übergeben werden. Doch die Geschichte, die die Herrschenden erzählen, ist eine Lüge.

Sylvarin ist eine begabte Tiefenleserin, die gegen das Gesetz der Zensur verstößt, um die Wahrheit über die „Große Erosion“ zu rekonstruieren. Sie glaubt an ein Naturereignis, das die Welt geformt hat. Doch als sie ein verbotenes Fragment findet, das auf ein Verbrechen hindeutet, gerät sie ins Visier des Systems.

Ihr Schicksal kreuzt sich mit dem von Drystan, einem charismatischen, aber gefühllosen Küstenwächter, dessen Aufgabe es ist, ihre Existenz auszulöschen. Zwischen biolumineszenten Tiefen und den rostigen Docks der Salzkathedrale entzündet sich eine gefährliche Anziehung, die beide Welten bedroht. Als die Salzpest ausbricht und die Erinnerungen der Menschen zu zerfallen beginnen, müssen sie erkennen, dass die größte Gefahr nicht das Meer ist, sondern die systematische Fälschung der Vergangenheit.

Sylvarin und Drystan stehen vor einer unmöglichen Wahl: Retten sie die vergessene Geschichte und riskieren den Untergang der Ordnung, oder untergehen sie selbst in der Salzpest? Eine düstere, sinnliche Romantasy über das Recht auf Erinnerung und die Zerstörung der Wahrheit.

30
Kapitel
121.775
Wörter
8:07 h
Lesezeit ∅
  • eBookDeutsche Originalausgabe · Erscheinungstermin steht noch nicht fest
Das Buch

Leseprobe

Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.

Sylvarin spürt, wie ihre Lungenflügel reißen, bevor das Wasser sie ertränkt.

Nicht die Kälte tötet sie hier. Es ist die Zeit.

Sie zählt die Sekunden, die ihr verbleiben, während die Schwere von Vhalor an ihren Knochen zerrt. Das Wasser ist kein Medium, es ist ein Gegner. Sirupartig, schwer von Salz und vergangenem Leben, presst es sich in jede Pore, als wollte es dort bleiben, um zu korrodieren. Es umschmeichelt ihre Haut, kühl und drückend, und setzt sich in ihre Nervenenden, die wie überdehnte Saiten zittern.

In dieser Tiefe gibt es kein Licht, das tröstet. Es gibt nur das Leuchten.

Biolumineszenz pulsiert um sie herum. Nicht schön. Nicht sanft. Es ist warnend. Violett-blau, scharf wie eine Schnittwunde im Dunkeln, schmerzend für die Augen, die nicht gewohnt sind, in dieser giftigen Klarheit zu sehen. Das Licht der Algenkuppeln, die fern in der Ferne schimmern, sickert hier unten als dumpfer, chemischer Glanz durch das Wasser. Es macht ihre bläulichen Adern unter der Haut sichtbar. Sie leuchten, als wäre ihr Blut nicht Blut, sondern flüssiges Phosphor, ein Beweis ihrer Verbannung in diese Welt der Toten.

Ihre Finger krampfen sich um das, was sie suchen muss.

Das Fragment.

Es liegt in einer Mulde aus zerbröckeltem Kalk, halb verschüttet von Seegras, das faserig und robust ist, nicht zart. Es ist ein Glasbehälter, kleiner als eine Daumenspitze, und doch fühlt es sich an wie ein Felsblock in ihren Händen. Die Oberfläche ist rissig. Die Zensur hat ihre Finger hier oben angesetzt, hat die Wahrheit gestempelt, gelöscht, versiegelt. Aber die Tiefe speichert. Das Meer vergisst nicht. Es frisst nur langsam.

Sylvarin hält die Luft an.

Länge. Dauer.

Die Sauerstoffreserven in ihren Lungen sind ein zählbarer Vorrat. Jeder Atemzug, den sie sich verwehrt, ist eine Investition in das Überleben ihrer Seele, die hier unten an den Wänden der Erosion kratzt. Sie sieht das Licht im Inneren der Ampulle. Es ist trüb. Undurchsichtig. Eine Wolke aus verdrängten Erinnerungen, die sich weigern zu zerfallen.

Die Große Erosion.

Das Wort dreht sich in ihrem Kopf, ein Scherben, der sie von innen schneidet. Die offizielle Version spricht von Natur. Von Gezeiten, die außer Kontrolle geraten sind. Von Sturm und Wut des Ozeans.

Lügen.

Sylvarin weiß es. Sie hat es gelesen, in den fragmentierten Spuren, die andere Tiefenleser hinterlassen haben, bevor sie ausgelöscht wurden. Sie hat die chemischen Rückstände an den Knochen der Toten gesehen. Salz, das nicht vom Meer kam, sondern von außen. Eine gezielte Injektion. Ein Verbrechen, das im Wasser ertränkt wurde, damit niemand die Blutspuren wäscht.

Ihre Hand zittert.

Hier bricht die Leseprobe ab.