Romantasy
Cover: Unter dem Wimpernschlag

Unter dem Wimpernschlag

Cordelia Corran ist Architektin des Unmöglichen, doch ihre Pläne sind mehr als nur Skizzen – sie sind Ketten. Als sie den verbannten Wächter Cassius Sallow trifft, stürzen beide in das neonviolette Labyrinth des kollektiven Unterbewusstseins. Dort, wo Erinnerungen Waffen sind und die Realität bricht, müssen sie die Wahrheit über die Gefängniszelle ihrer Welt aufdecken. Doch der Preis für die Freiheit ist der Verlust aller Erinnerungen.

Einzelband · 30 Kapitel · deutschsprachig

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Unter dem Wimpernschlag

Romantasy

In der ewigen Dämmerung von Vespera, wo die Sonne nie ganz aufgeht und die Luft nach Kupfer schmeckt, ist der Traumraum „Das Gesträpp“ eine instabile Dimension, die nur durch den kostbaren Mechanismus der Traumweber stabil gehalten wird. Als Cordelia Corran, eine junge Architektin des Unmöglichen, eine Riss in der Realität entdeckt, der die Schicht zwischen Wachraum und Traumraum aufreißt, trifft sie auf Cassius Sallow, einen verbannten Wächter, der die Wahrheit über den Verfall der Welt kennt. Gemeinsam müssen sie in das neonviolette Labyrinth des kollektiven Unterbewusstseins eintauchen, wo Erinnerungen zu Waffenträgern werden und die Geometrie der Realität bricht. Doch je tiefer sie in die Wurzeln des Gesträpps vordringen, desto klarer wird: Die Stabilität der Oberwelt ist kein Schutz, sondern eine Gefängniszelle, und der Preis für die Freiheit ist der Verlust aller Erinnerungen.

30
Kapitel
116.831
Wörter
7:47 h
Lesezeit ∅
  • eBookDeutsche Originalausgabe · Erscheinungstermin steht noch nicht fest
Das Buch

Leseprobe

Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.

Der Bleistift brach.

Nicht das Holz, nicht die Graphitspitze, sondern die Realität selbst gab unter dem Druck ihrer Finger nach. Cordelia Corran starrte auf den Tisch, wo ein silberner Bogen aus dem Papier wuchs, als hätte sie nicht gezeichnet, sondern eine Wunde aufgerissen, aus der Metall blutete.

„Nein“, flüsterte sie, und ihre Stimme klang fremd, zu dünn für den schweren Geruch von Kupfer und Oxid, der die Kesselschmiede durchdrang. Sie ließ den abgebrochenen Stift fallen. Er prallte gegen das dunkle Eichenholz; das trockene, hohe Geräusch hallte in der Stille der Gasse der Wimpern wider.

Cordelia atmete nicht. Sie wusste, dass sie atmen musste, dass ihre Lungen Sauerstoff brauchten, aber ihr Körper verweigerte den Befehl. Stattdessen beobachtete sie das Unmögliche. Die Linie, die sie Sekunden zuvor mit mechanischer Präzision gezogen hatte, war materiell geworden. Sie hob sich vom Blatt ab, ein filigranes Objekt aus glänzendem, silbernem Metall, das die Form des Bogenwerks besaß. Es lag da, schwer und real, und drückte eine Narbe in das Holz, die sich nicht heilte, sondern in die Struktur integrieren ließ.

Ihre Hand zitterte. Sie zitterte nicht vor Kälte, nicht vor Furcht, sondern vor der Anspannung, die in ihren Sehnen lag wie ein gespannter Draht. Sie streckte die Finger aus, langsam, als würde sie eine Schlange berühren, die sich im Gras versteckt hatte. Ihre Kuppe berührte das Metall.

Kalt. Kälter als Stahl. Kälter als der Winter, der über Zephyr schwebte.

Ein rhythmisches Vibrieren lief durch ihre Fingerkuppen; ein Puls, der hart und unablässig taktete. Es war der Herzschlag der Welt, der unter der Oberfläche ihrer Ordnung schlug. Cordelia spürte, wie die Vibration in ihr Handgelenk kroch, sich in ihre Knochen festsetzte, und sie verstand in diesem einen, schmerzhaften Moment, dass sie keine Brücke gezeichnet hatte. Sie hatte eine Tür geöffnet.

Die Öllampen an den Deckenbalken flackerten, ihre schwache, unzuverlässige Flamme zitterte, als würde die Luft selbst vor der Präsenz dieses Objekts zurückweichen. Cordelia sah, wie die Schatten der Werkbänke sich verformten, wie die Geometrie des Raumes sich um den metallenen Bogen krümmte. Es war keine Anomalie. Es war eine Antwort. Und sie hatte die Frage gestellt, ohne es zu wissen.

Ihr Herzschlag schoss heftig durch ihre Brust. Sie tat es als Überreaktion ab, aber ihre Instinkte schrien. Sie zählte die Sekunden, die ihr Rest der Struktur brauchte, um zu stabilisieren, während das Metall weiter pulsierte, ein lebendiges Ding in einer toten Welt.

Hier bricht die Leseprobe ab.