Romantasy
Cover: Salz auf der Zunge

Salz auf der Zunge

In einer Welt, in der Gefühle flüssig sind und auf dem Marktplatz gehandelt werden, destilliert Isolde die beste Trauer der Stadt. Dann findet sie einen illegalen Tropfen puren Zorns – und den Jäger, der ihn schützt. Was als Konfrontation beginnt, wird zur gefährlichsten Bindung ihres Lebens.

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Salz auf der Zunge

Romantasy

In einer Welt, in der Gefühle flüssig sind und auf dem Marktplatz gehandelt werden, ist Isolde die beste Destilliererin für Trauer, die die Stadt zu bieten hat.

Bei einer Routineprüfung findet sie, was es nicht geben dürfte: einen illegalen, hochkonzentrierten Tropfen puren, brennenden Zorns. Und mit ihm den gefürchteten Jäger des Schwarzmarkts, der genau diesen Tropfen schützen will.

Was als Konfrontation beginnt, wird zu einer gefährlichen Allianz. Denn die Substanz in seiner Flasche ist kein gewöhnliches Gefühl, sondern der letzte Rest jener Menschlichkeit, die die herrschende Kaste der „Leeren“ systematisch auslöscht.

Gemeinsam müssen die beiden die Stille Zone durchqueren, um die Wahrheit über den Großen Resonanzkern zu lüften – während die Bindung zwischen ihnen stärker wird als jede Destillation. Doch in einer Stadt, die ihre Seele verkauft, um zu überleben, ist Liebe die gefährlichste Droge von allen.

30
Kapitel
122.298
Wörter
8:09 h
Lesezeit ∅
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Das Buch

Leseprobe

Der Anfang des Buches — ohne Anmeldung, ohne Umweg.

Eisen. Kaltes, metallisches Eisen. Der Geschmack lag bereits auf Isoldes Zunge, lange bevor sie den Mund öffnete.

Kein Geruch aus der Luft. Ein Eindringen. Ein schärferer Stich, der sich in den Nervenbahnen ihres Gaumens verkrallte und dort verharrte, während sie gebeugt über dem Destillationskolben stand. Die Flamme darunter brannte nicht. Sie flackerte nicht. Sie existierte in einer statischen, unnatürlichen Stille, die nur die reinste, gefährlichste Substanz erzeugte. Isolde legte ihre flache Hand auf das kühle Glas. Unter ihrer Haut vibrierte das innere Fluidum, ein rhythmisches Klopfen, das sie kaum von ihrem eigenen Herzschlag unterscheiden konnte.

Ihre Finger zitterten. Für den ungeübten Betrachter kaum sichtbar, ein bloßes Zucken der Sehnen. Aber für sie, die seit zwanzig Jahren das Zittern von destillierter Angst von dem von reiner Trauer trennen konnte, ein lautes, hysterisches Schreien gegen das Glas. Sie drehte die Flasche ein weiteres Mal. Das Licht, das durch die hohen, schmalen Fenster aus getöntem Glas fiel, brach in der trüben Flüssigkeit und warf kleine, schmerzhafte Regenbogen auf die Arbeitsfläche. Ein trügerischer Schimmer. Die Illusion von Klarheit in einer Welt, die ihre Seelen in Flaschen gefüllt und auf dem Marktplatz verkauft hatte.

Isolde atmete ein. Die Luft war dünn, gesättigt mit dem Geruch von konservierter Erinnerung, die langsam ihre Schärfe verlor und zu etwas Beigem, Nichtssagendem wurde. Sie hasste diesen Prozess. Sie hasste die Lüge, dass es nur eine vorübergehende Leerung war. In Wahrheit eine Auslöschung. Eine chemische Trennung von der eigenen Menschlichkeit.

Sie griff nach dem Etikett. Die Schrift war sauber, klinisch, ohne die persönlichen Markierungen, die sie bei den legalen Destillaten der oberen Kaste erwartete. Hier keine Unterschrift, kein Stempel des Lizenzamts. Nur die Bezeichnung: Konzentrat Typ Delta. Isolde runzelte die Stirn. Typ Delta war in den Archiven der Kammern als instabil eingestuft, ein Restprodukt aus fehlerhaften Extraktionen, das normalerweise in den Abluftschächten entsorgt wurde. Warum lag es in der Lagerkammer, in der die wertvollsten Proben aufbewahrt wurden?

Sie öffnete die Tür zur Lagerkammer. Der Boden aus poliertem Obsidian, schwarz und glatt wie eine eingefrorene Träne, reflektierte ihr verzerrtes Gesicht im unteren Bereich. Stapelweise Kisten aus lackiertem Holz reichten bis zur Decke, ihre Kanten verriegelt mit Bleiplomben, die das Gewicht der Inhalte trugen. Isolde bewegte sich lautlos; ihre Stiefel knarrten kaum, als sie zwischen den Reihen hindurchging. Sie suchte nach der Kiste, die auf ihrem Prüfungsprotokoll markiert war: Anomalie im Temperaturverlauf. Eine kleine, unauffällige Box aus grauem Eichenholz, versteckt zwischen Fässern von fröhlicher Euphorie und Kisten voller gedämpfter Wut.

Hier bricht die Leseprobe ab.